18.02.2015

Mehr als ein halbes Jahrhundert 4x4-Kompetenz - vom Fiat Campagnola zum Fiat 500X


Fiat präsentierte 1951 einen waschechten Geländewagen, der vorrangig für Polizei, Behörden und Militär gedacht war. Die zivile Variante des an den amerikanischen Jeep erinnernden „Autovettura da Ricognizione" (Codename A.R. 51) erhielt den Namen Campagnola und wurde auf einer Landwirtschaftsmesse in Bari vorgestellt. Der von Dante Giacosa - wenig später der Konstrukteur des Fiat 500 - entwickelte Wagen verfügt über eine für die Zeit fortschrittliche Technik: Einzelradaufhängung an der Vorderachse, zuschaltbarer Allradantrieb, Zwischengetriebe und wahlweise antriebsunabhängiger Nebenantrieb. Praktisch sind die um 180 Grad zu öffnenden, an der Seitenwand arretierbare Türen. Anfangs sorgte ein 1.9-Liter-Benzinmotor mit 40 kW (53 PS) für Vortrieb, später kamen auch Dieselmotoren hinzu. Bis 1973 wurden über 39.000 Stück produziert.

Die gründlich überarbeitete Baureihe folgte 1974. Jetzt sorgten Einzelradaufhängungen an allen vier Rädern mit doppelten Stoßdämpfern hinten sowie Differenzialsperren in Vorder- und Hinterachse für noch bessere Geländegängigkeit. Der aus dem Fiat 132 stammende Zweiliter-Benziner (59 kW/80 PS) und ab 1979 auch zwei Dieseltriebwerke (2.0-Liter-Vierzylinder mit 44 kW/60 PS, 2.5-Liter-Vierzylinder mit 53 kW/72 PS) bildeten die Motorenpalette. Zur Wahl standen zwei Chassislängen, Stoffdach oder Hardtop sowie unterschiedliche Sitzanordnungen mit bis zu neun Sitzplätzen. Der Fiat Campagnola wurde noch bis 1987 produziert.

Seine Standfestigkeit und Geländetauglichkeit bewies der Fiat Campagnola schon 1951 mit einer Rekordfahrt von Kapstadt (Südafrika) nach Algier (Algerien) - elf Tage, vier Stunden und 54 Minuten benötigte das Team für die über rund 16.000 Kilometer führende Afrika-Durchquerung.

Bereits 1983 setzte Fiat einen Trend, als der vom österreichischen Allradspezialisten Steyr-Puch entwickelte Vierradantrieb im Fiat Panda 4x4 Premiere feierte. Die bewährte Technik des ultrakompakten und pfiffigen Kleinwagens ergänzt um einen von Hand zuschaltbaren Vierradantrieb - eine sinnvolle und kostengünstige Lösung. Die „Tolle Kiste", wie der Fiat Panda in Deutschland preisgekrönt beworben wurde, offerierte damit eine Antriebstechnik, die bis dato wesentlich größeren Fahrzeugen vorbehalten war. Mit dem zusätzlichen Antrieb der Hinterräder - bei jeder Geschwindigkeit möglich - hatte der Fiat Panda 4x4 weder auf Schnee und Eis, noch auf einer feuchten Wiese oder einem verschlammten Waldweg Traktions­probleme. So wurde der Fiat Panda 4x4 überall dort geschätzt, wo Witterung und Topographie nach einem Allrad-Fahrzeug verlangten. Kein Wunder, dass der Fiat Panda 4x4 schnell eine treue Fan-Gemeinde eroberte - von alpenländischen Bauern über Architekten und Tiefbauingenieure bis hin zu Jägern.

Verwegene Zeitgenossen stürzten sich mit dem robusten Kleinwagen kopfüber ins Abenteuer. Gleich 50 Exemplare starteten 1985 bei einer Langstreckenrallye von Rom nach Abidjan an der Elfenbeinküste. Zwei Jahre später stand die „Safariland" in Australien an, und 1989 begleiteten die vielseitigen Allradfahrzeuge den historischen Fiat Itala bei der Neuauflage der Rallye Peking-Paris. Dabei bewältigten sie 22.000 Kilo­meter in elf Ländern. Sogar den extremen Anforderungen der legendären Wüsten-Rallye Dakar stellte sich der vielseitige Italiener.

2004 griff die zweite Modellgeneration des Fiat Panda 4x4 die Allrad-Tradition des italienischen Automobilherstellers wieder auf, der in Deutschland in den drei Versionen Fiat Panda 4x4, Fiat Panda 4x4 Climbing sowie Fiat Panda Cross (ab 2006) angeboten wurde.

Der Fiat Sedici markierte 2006 einen Wendepunkt in der Allradphilosophie der italienischen Marke. Die aufwendige 4x4-Technik war nun nicht mehr hauptsächlich für den kommerziellen Einsatz gedacht, sondern hält verstärkt Einzug in den Freizeit- und Hobbybereich. Das erste Sport Utility Vehicle (SUV) der Marke Fiat bot auf der kompakten Länge von etwa vier Meter die Vorzüge einer komfortablen Limousine und ver­einte diese auf Wunsch mit den sicherheitsrelevanten und freizeittauglichen Eigenschaften des Allradantriebs. Aufsehen erregte der von Stardesigner Giugiaro gezeichnete Fiat Sedici als offizielles Fahrzeug der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin.

Der neue Fiat 500X setzt nun den von der „Fröhlichen Landarbeiterin", der „Tollen Kiste" und dem Sedici geebneten Weg fort.

 

 


Neueste Videoclips

Erweiterte Suche

Suche...

Von
Bis
Suche

Aktuelle Presse